*
*
Geschichten vom Schwimmen
*
*
*
Gertrude Ederle
***
***
Ich kenn‘ sie schon lange. Meine Mutter hat mir von ihr schon erzählt, als ich noch ganz klein war. Das war sehr schön, wenn wir beide in der Küche standen, sie die Frau, meine Mutter, ich daneben, ihr kleines Kind.
Meine Mutter konnte gut erzählen. Besonders war’s immer, gab‘s Umwege durch poetisches Land. Alles dann noch steigerungsfähig, untermalte sie das Gesagte doch synchron durch anmutige Bewegung.
Ich fand meine Mutter immer schön. So beweglich war sie doch und Tatsache, eine ausdauernde Schwimmerin war sie auch noch. Man übertreibt nicht im Nachhinein, behauptet man, meine Mutter schwamm wie ein silberner Fisch.
Die Lebensgeschichte von Gertrude Ederle habe ich in meiner Kindheit also öfters gehört. Das machte mir überhaupt nichts. Im Gegenteil, ich liebte solche Geschichten. Denn immer gab es kleine Änderungen an der Story, und Unbekanntes konnte auch hinzu kommen.
Meine Mutter und ich, uns beide verband große Bewunderung für diesen Ausnahmemenschen. Besonders aber der Lebensteil, wie sich ein Mensch einer harten und vernichtenden Krankheit stellen kann. Erzählte meine Mutter davon dann breit und engagiert, wie gerne wär‘ ich auch ein taubes Mädchen gewesen, um von Gertrude Ederle Schwimmunterricht zu bekommen. Das konnte ich aber gut für mich behalten. Denn hätte ich hier meine Phantasie bloßgelegt, wie hätte das meine Mutter doch verunsichert und dann beim Geschichtenerzählen vielleicht auch ausgebremst!
Die Bewunderung für diesen Menschen ist mit mir mitgewachsen. Als die Schwimmerin zwanzig Jahre war, hat sie den Ärmelkanal in 14,5 Stunden durchschwommen. Dafür wurde sie auch mit einer dicht regnenden Konfettiparade gefeiert und anschließend vom damaligen US-Präsidenten (Calvin Coolidge) empfangen. Wie gigantisch muss das für die junge Frau gewesen sein! Aber auch – wie geht man im Leben damit um?
Schon als Kind litt Gertrude Ederle infolge einer Maserninfektion an Schwerhörigkeit. Bei ihrer sportlichen Meisterleistung am 6. August 1926, also vor hundert Jahren, hat dann das Salzwasser das Trommelfell ihrer Ohren vollständig zerstört. Sieben Jahre später kam dann aufgrund einer Verletzung eine Lähmung der Wirbelsäule hinzu.
Gertrude Ederle hat aber nicht aufgegeben. Durch eiserne Disziplin konnte sie 1939 wieder laufen und schwimmen und dann tauben Kindern Schwimmunterricht geben, was auch ihr Lebensziel war.
So eine Herausforderung, so eine starke Bewältigung an allen Lebens-Kanten, so eine großartige Frau! So ein Mensch!
Wie wichtig doch das Erzählen und Bewahren von Lebensgeschichte besonderer Menschen für Kinder und Jugendliche und auch Erwachsene wohl ist. Müssen wir uns alle doch im schiefen Leben immer wieder orientieren und neu ausrichten können!
Tatsächlich gelingt so eine Herkulesaufgabe! Also, denn man los damit!
***
***
*
*
*
Empfehlung
Liebes Kind, lieber Erwachsene, mach‘ doch mal einen Schwimmkurs. Erwerb‘ auch ein Schwimmabzeichen. Schäm‘ dich nicht dafür! Das alles geht doch über eine große Belohnung weit hinaus!
*
*
*
*
(Für konstruktive Kritik:
info@glorias-lifestyle.de)



