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Geschichten vom Schwimmen
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Gertrude Ederle
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Meine Mutter hat mir von ihr erzählt, als ich noch ganz klein war. Gerne denke ich daran zurück, standen wir so eng beieinander, meine Mutter und ich, ihr kleines Kind.
Stets gekonnt erzählte Muttern. Besonders war’s, machte sie Umwege durch poetisches Land. Alles waar noch steigerungsfähig, untermalte sie ihr Gesagtes durch anmutige Bewegung.
Eine schöne Frau war Mutter. So beweglich war sie; eine trainierte Schwimmerin sprach hier zu mir. Man übertreibt nicht, sagt man im Nachhinein, meine Mutter bewegte sich im Wasser wie ein silberner Fisch.
Die Lebensgeschichte von Gertrude Ederle habe ich in meiner Kindheit immer wieder mal gehört. Wiederholungen einer Geschichte machten mir überhaupt nichts. Im Gegenteil, ich liebte das und konnte nicht genug bekommen. Denn immer ab es kleine Abweichungen, Unbekanntes konnte auch noch in die Story hineinkommen.
Meine Mutter und mich, uns beide verband die Bewunderung für diesen Ausnahmemenschen. Besonders sensibel bewegend gestaltete sich der Teil, wie sich ein junger Mensch einer harten und vernichtenden Krankheit stellen kann. Davon erzählte meine Mutter emphatisch breit und engagiert. Gerne wär‘ ich dann auch ein taubes Mädchen gewesen und so ganz sicher zu einer Schülerin von Gertrude Ederle geworden. Diesen Gedanken konnte ich aber strikt für mich behalten. Denn hätte ich meiner Mutter ihn bloßgelegt, hätte ich sie beim Geschichtenerzählen sicher verunsichert und dann auch noch ausgebremst?
Die Bewunderung für den Menschen Gertrude Ederle ist mit mir groß geworden. Denn alles davon empfand ich überzeugend und wohlverdient! Ich hab’s in mir ein Leben lang so bewahren können.
Als die Schwimmerin zwanzig Jahre war, hat sie den Ärmelkanal in 14,5 Stunden durchschwommen. Dafür wurde sie geehrt und in New York in eine dicht regnenden Konfettiparade trocken getaucht. Anschließend gab’s einen Empfang beim US-Präsidenten. War Calvin Coolidge gut vorbereitet, hat er für die Sportlerin treffende Worte finden können? Wie gigantisch muss das doch für die junge Frau gewesen sein! Aber auch – wie geht man im Leben damit um?
Was hat Gertrude Ederle alles mitmachen müssen! Schon als Kind litt sie infolge einer Maserninfektion an Schwerhörigkeit. Bei ihrer sportlichen Meisterleistung am 6. August 1926, also vor genau hundert Jahren, hat das Salzwasser ihr Trommelfell dann endgültig und vollständig zerstört. Sieben Jahre später musste die junge Frau aufgrund einer Verletzung die Lähmung der Wirbelsäule aushalten können.
Gertrude Ederle hat aber nicht aufgegeben. Durch eiserne Disziplin konnte sie wieder laufen und schwimmen. Das war 1939. Danach hat sie sich ihren Lebenstraum verwirklicht. War das schlicht getan Schwimmlehrerin zu werden, um dann tauben Kindern Schwimmunterricht zu geben? Oder war das großartig getan?
So eine starke Bewältigungsleistung an allen Lebenskanten. So ein sich ungewöhnliches Stellen! Welch’ großartige Frau! So ein beeindruckender Mensch!
Wie wichtig doch das Erzählen und Bewahren von Lebensgeschichte besonderer Menschen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sein muss. Wollen wir uns alle im schiefen Leben doch immer wieder orientieren und neu ausrichten können! Manchmal braucht man Hilfe dazu.
Tatsächlich kann so eine Herkulesaufgabe gelingen! Packen wir doch das, was uns an uns selber stört, wieder an! Sind wir doch mutig! Na, denn dann man los damit!
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Empfehlung
Liebes Kind, lieber Erwachsene, mach‘ doch mal einen Schwimmkurs. Erwerb‘ ein Schwimmabzeichen. Schäm‘ dich nicht dafür! Alles davon geht doch über eine Eigenbelohnung weit hinaus!
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